Weltrekordflug mit dem Paramotor: Ein 883 km langes FAI-Dreieck

Endlich zeigte sich das langersehnte schöne Wetter. Das Jahr 2024 war wettertechnisch für die Alpennordseite bislang sehr bescheiden, kaum ein Tag verging ohne Regen. Doch am Montag, dem 15. Juli, war es soweit: Der erste Tag, an dem Wind, Wetter und mein Terminplan es zuließen, mein lange geplantes Paramotorprojekt in Angriff zu nehmen – ein 1000 km FAI-Dreieck.

Die Vorbereitungen dafür erstreckten sich über zwei Jahre, bis alles Material zusammengestellt und getestet war. Der Schlüssel zum Erfolg war die Ausrüstung: Ein Motor von Miniplane und ein Gleitschirm von PHI. Das neueste Modell von Miniplane mit dem 140 cm Propeller ist so leise und laufruhig, dass sich der Flug mit guten Kopfhörern und laufender Musik praktisch wie eine gemütliche Autofahrt anfühlte. Es ist der leiseste Motor, den ich je geflogen bin, und seine Laufruhe ist genial. Auch der Benzinverbrauch war entscheidend, und der Motor übertraf meine Erwartungen.

Beim Gleitschirm habe ich mich bewusst nicht für einen reinen Paramotorschirm entschieden, sondern für einen Gleitschirm, der auf die Bergfliegerei ausgelegt ist. Bei diesen Schirmen liegt meiner Meinung nach der Fokus mehr auf der Leistung. Mein Wunsch war es, einen schnellen und dennoch sicheren 2-Leiner zu nutzen, und so entschied ich mich für den PHI Scala 2. Es ist das leistungsstärkste und gleichzeitig stabilste Modell mit hohem Endspeed. Ein Zweileiner mit einer Endgeschwindigkeit von 85 km/h, der gleichzeitig stabil und sehr leistungsstark ist.

Zum Flug:

Der Start erfolgte um 5:45 Uhr, nur drei Minuten nach Sonnenaufgang. Alles lief perfekt nach Plan. Gleich nach dem Start auf 400 m AGL erreichte ich den prognostizierten Südwestwind und konnte mit gutem Rückenwind Richtung Nordosten zwischen Nürnberg und Würzburg fliegen, stets die verschiedenen Lufträume im Blick, die um-, unter- oder überflogen werden mussten. Nach 317 km erreichte ich die erste Wende in Bad Rodach und setzte meinen Kurs Richtung Linz fort. Dies war der schwierigste Abschnitt, da ich Gegenwind hatte und die thermische Tageszeit voll einsetzte. Volle Konzentration auf das aktive Fliegen war gefragt.

Alles lief weiterhin nach Plan, auch was die Geschwindigkeit betraf, bis ich bei einer Umtankung vom Zusatztank in den Haupttank einen Rückschlag erlebte: Die Benzinleitung riss und ich verlor mehrere Liter Treibstoff. 89 km vor dem Wendepunkt in Linz musste ich anhand des restlichen Benzins berechnen, wie weit ich noch kommen würde, und stellte fest, dass es leider nicht ganz ausreichen würde. Schweren Herzens entschied ich, die Route abzukürzen, um das Ziel noch erreichen zu können. Aufgrund der Lufträume rund um München musste ich dennoch ein großes Stück Richtung Süden navigieren.

Auf den letzten 250 km hatte ich zeitweise wenig Hoffnung, das Ziel noch zu erreichen, insbesondere da die Regeln besagen, dass das Dreieck bis auf 800 m geschlossen werden muss, um als FAI-Dreieck zu gelten. Doch es hat geklappt: Am Ziel hatte ich weniger als 0,2 Liter Benzin übrig, die Entscheidung abzukürzen war also absolut richtig.

Einziger kleiner Wermutstropfen: Das 1000 km Dreieck hätte wie geplant funktioniert, wenn die Benzinleitung nicht gerissen wäre. Ich verlor deutlich mehr Treibstoff in der Luft, als ich für die Vollendung benötigt hätte. Trotzdem habe ich ein 883 km langes FAI-Dreieck geschafft, was immer noch einen deutlichen Weltrekord darstellt.

Noch ein paar technische Daten des Flugs:

Die tatsächlich geflogene Strecke betrug 921 km, nur 79 km fehlten für ein vollständiges 1000 km FAI-Dreieck. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 65,8 km/h, einschließlich Start und ein paar Kurven für den Fotografen während der Landung. Beim Start hatte ich etwa 56 Liter Benzin an Bord, aber unterwegs sind mir sicherlich 6-7 Liter verloren gegangen. Somit habe ich maximal 50 Liter Benzin für die 921 km verbraucht, was einem Verbrauch von 5,4 Litern pro 100 km oder 3,5 Litern pro Stunde entspricht – und das bei einer Geschwindigkeit von fast 66 km/h.

Das Abfluggewicht betrug zum Zeitpunkt des Starts etwa 156 kg.

Auch im Bereich Zeitmanagement hätte ich die fehlenden 79 km noch leicht fliegen können. Bis zum Sonnenuntergang blieben mir noch über 1 Stunde und 20 Minuten Flugzeit, und da ich am Ende wenig Benzin hatte, bin ich bewusst langsamer und sparsamer geflogen. In puncto Geschwindigkeit hätte ich noch deutlich zulegen können, falls erforderlich.

Diese Daten zeugen von der herausragenden Leistung des Schirms und Motors. Ein großes Dankeschön an die Konstrukteure, Helfer und alle die mit mir mit gefiebert haben!

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