Jojo


– Jojo, 58 J., Spiez
Fliegt seit 2025 Gleitschirm
Beat Light 2 – Phi
Fantasia – Phi

April 2026

Wer hat wen zum Gleitschirmfliegen motiviert – der Vater den Sohn oder umgekehrt? 😉

Das hat munter hin und her gewechselt. Zum 13. Geburtstag hat Sämi von mir einen Tandem-Flug ab der Riederalp geschenkt bekommen. Er genoss den Flug und die Spiralen mit Hansi Zeiter und ich mit Raul Giger.

Seit jenem Tag war eine Ausbildung immer wieder ein Thema. Den entscheidenden Kick hat Sämi in der Corona-Zeit gegeben. Der Schnuppertag bzw. Grundkurs hat uns die Begeisterung endgültig gebracht und uns nicht mehr losgelassen.

Du hast die Ausbildung zusammen mit deinem Sohn Sami gemacht – wie war es, dieses besondere Erlebnis gemeinsam zu teilen?

Einfach toll, gemeinsam Zeit zu verbringen und unser Projekt anzugehen. Es gibt uns beiden einen speziellen Zusammenhalt.

Hat es euch geholfen, euch gegenseitig zu motivieren, zum Beispiel beim Lernen für die Theorieprüfung?

Ich war eher der Streber, während Sämi erst kurz vor der Prüfung intensiviert hat. Da sind wir doch recht unterschiedlich unterwegs, akzeptieren dies aber und lachen oft darüber.

Letztendlich mussten wir beide das Fach Luftrecht nochmals wiederholen, damit wir nicht als Luftpiraten den Schweizer Luftraum unsicher machen 😉

Dein Brevet im September 2025 – und Sami im Oktober 2025: Warst du nervöser bei deiner eigenen Prüfung oder bei seiner?

Ich war bei der eigenen Prüfung nervöser. Erst als ich von Sämi an seinem Prüfungstag lange nichts gehört hatte, wurde ich noch nervöser – zum Glück unbegründet.

Seid ihr seitdem schon gemeinsam in der Luft unterwegs gewesen? Wie fühlt sich das an, als Vater-Sohn-Team zu fliegen?

Ja wir haben seither gemeinsam einige Flüge unternommen. Es fühlt sich toll an und es sind Stunden, nur für uns beide. Wir tauschen uns über die Erfahrungen und Eindrücke gegenseitig aus und können über kleine Missgeschicke zusammen lachen.

Sämi ist bisher der deutlich bessere Starter, was sich mit meinem neuen Schirm nun ausgleicht. So muss ich in Zukunft nicht mehr immer als erster starten, damit Sämi sicher sein kann, dass ich auch wirklich abgehoben bin. Easy mit dem neuen Schirm.

Wie hast du deinen Weg vom Grundkurs bis zum Brevetkurs insgesamt erlebt?

Wir haben 2021 bei Franz Meyer gestartet und wurden bis zu seiner Pensionierung im Mai 2022 nicht fertig. Weiterbildungen von Sämi und gesundheitliche 50’000 Services bei mir haben die Ausbildung bis Herbst 2025 in die Länge gezogen.

Letzendlich bin ich aber dankbar dafür, dass ich so alle Jahreszeiten im geschützten Rahmen der Flugschule erfahren durfte. Wertvolle Erkenntnisse zu Meteo und Rahmenbedingungen konnten gewonnen werden.

Wichtig war aber auch, dass wir mit Andy im Frühling 2025 einen klaren Zeitplan definiert und durchgezogen haben. Sonst wären wir ewige «Flug-Studenten» geblieben.

Du bist der Flugbasis und den Air Base Flyers treu geblieben – was gefällt dir besonders an dieser Gemeinschaft?

Zweifellos das gemeinsame Erlebnis unter Gleichgesinnten, wie ich es seit Jahren bereits aus den jährlichen Canyoning-Ferien mit guten Freunden kenne. Hinzu kommt beim Gleitschirmfliegen noch stärker hinzu, dass man mit erfahrenen Piloten unterwegs ist und diese gerne ihre Erfahrungen und Tipps für die neuen Fluggebiete teilen.

So kann ich neue Flugrfahrungen mit Unterstützung gewinnen und die schönen Erlebnisse nach dem Flug austauschen. Auch das gemütliche Beisammensein ist immer toll und man spürt schnell, dass alle die gleiche Begeisterung teilen.

Mit Andys Unterstützung konntest du verschiedene Schirme testen und deinen neuen Gleitschirm finden – wie war dieser Prozess für dich?

Als ich meinen ersten Schirm ausgewählt habe, stand Sicherheit und das von oben nach unten fliegen im Vordergrund. Dies hat sich mit den von Andy gelebten Genussflügen zum Schluss der Schulungstage etwas geändert – ich bin beim Fliegen angekommen. Das Soaren, Thermik fliegen und vereinzelte Streckenflüge haben sich in den Vordergrund geschoben und die Begeisterung weiter gesteigert. Auch der Flug ab dem Niesen während der Ausbildung hat dazu beigetragen. So war das Testen eines sportlicheren Schirms letztendlich die logische Folge.

Als Vorteil betrachte ich die Tatsache, dass Andy mich seit über einem Jahr kennt und meine Stärken und Schwächen einschätzen kann. So hat er mir bestimmte Modelle empfohlen.

Und ich muss sagen, dass ich vom neuen Schirm absolut begeistert bin. Andy hat mir bei den Testflügen wertvolle Tipps gegeben, so dass ich mit der veränderten Dynamik gut zurechtkomme und mich unverändert sicher fühle.

Du warst bei Events wie Clubausflug, Notschirmwerfen oder Bodenhandling-Camp dabei – welches Erlebnis hat dir am meisten Spass gemacht?

Jedes Event hat seinen eigenen Reiz und kann nicht vergleichern werden. Die Clubausflüge lassen mich neue Fluggebiete in der Umgebung kennenlernen und bieten neue Optionen für Alleinflüge mit Sämi zusammen an. Toll war insbesondere nach der Prüfung, wie ich beim Start am Schwarzsee begleitet wurde. Denn nach der Prüfung fehlt die Routine und die Nervosität – zumindest bei mir – war doch recht gross. Das tollste Event war aber das GroundhandlingCamp im März 2026 im Piemont. Das handeln des Schirms, Erfahrungsaustausch und Gespräche mit den anderen Teilnehmern, das geniessen der Landschaft, Stadtbesichtigung, Thermikfliegen, Top- und Hang-Landing, sowie Streckenflug. Alles war in diesen 4 Tagen möglich. Und sehr gutes italienisches Essen war auch gegeben. Was will man mehr, ausser evtl. etwas weniger Regen und Schnee im nächsten Jahr 😉

Was sind deine nächsten Ziele als Pilot – eher gemütlich geniessen oder schon die nächsten Erlebnisse planen?

Dieses Jahr wohl eher gemütlich, weil Sämi eine weitere Ausbildung absolviert. Aber sicher den neuen Schirm besser kennenlernen, die bekannten Manöver sicher beherrschen und mit dem Club und ehemaligen Flugschulkolleginnen möglichst einige Flugtage verbringen.

Weitere Flugreisen mit dem Club würden mich ebenfalls reizen, aber es liegt zeitlich leider schlicht noch nicht drin. Da muss ich meine Jahresplanung für die nächsten Jahre überdenken.