Nach dem wetterbedingten Abbruch des ersten Tasks wurden die Pilotinnen und Piloten heute beim zweiten Wertungslauf des Paragliding World Cup in Gemona mit deutlich besseren Bedingungen empfangen. Das Task-Komitee legte eine 87,6 Kilometer lange Strecke fest, die das umliegende Gelände optimal nutzte und gleichzeitig den anspruchsvollen Wetterbedingungen Rechnung trug.
Der Task begann entlang der Voralpen bei kräftigem Südwind. Die Bedingungen waren insgesamt stabil, gleichzeitig aber oft turbulent und technisch anspruchsvoll. Entlang der Bergrücken mussten die Pilotinnen und Piloten konzentriert arbeiten, um Höhe zu halten. Der Wechsel ins Flachland erfolgte zunächst noch zögerlich, da unklar war, ob dort genügend Thermik entstehen würde.
Nach dem ersten Wendepunkt änderte sich das Bild jedoch deutlich. Über dem Flachland entwickelten sich frische Quellwolken, die die ersten verlässlichen Thermikschläuche des Tages brachten. Dadurch konnte sich die Spitzengruppe rasch vom Gebirge lösen und zügig in Richtung des zweiten Wendepunkts vorarbeiten.
Die Rückquerung des Tals entwickelte sich schliesslich zum entscheidenden Abschnitt des Rennens. Grossflächige Wolkenschatten bedeckten weite Teile des Talbodens und schwächten die Thermik erheblich. Aus dem Geschwindigkeitsrennen wurde plötzlich ein echter Überlebenskampf. Geduld war gefragt: Die Pilotinnen und Piloten mussten jeden noch so schwachen Aufwind sauber zentrieren und sorgfältig auskurbeln, um in der Luft zu bleiben und die nächste Thermik zu erreichen.
Nach dem dritten Wendepunkt führte die Strecke leicht mit dem Wind zu einem sonnenbeschienenen Hügel. Dort kündigten gut entwickelte Quellwolken wieder stärkere Thermik an. Die Pilotinnen und Piloten konnten nochmals ausreichend Höhe gewinnen, bevor sie zum langen Endanflug ins Ziel ansetzten.
Die schwierigen Bedingungen im Mittelteil des Rennens sorgten dafür, dass viele den Endanflug bewusst vorsichtig angingen. Anstatt mit möglichst geringer Höhe ins Ziel zu gleiten, entschieden sich die meisten dafür, nochmals genügend Höhe aufzubauen. Nach den kräfteraubenden Kämpfen in der schwachen Thermik wollten sie auf den letzten Kilometern kein unnötiges Risiko mehr eingehen.
Tagessieger Baptiste Lambert erklärte nach dem Flug, dass sich an diesem Tag vor allem Geduld ausgezahlt habe. Einige seiner Thermikbärte hätten im Durchschnitt lediglich 0,2 m/s Steigen geliefert. Seine Ausdauer wurde mit dem Tagessieg sowie dem Mannschaftssieg für Team Ozone belohnt.
Als erste Frau erreichte Elisa Deutschmann das Ziel und unterstrich damit ihre starke Form in diesem Wettbewerb.
Mit dem ersten gültigen Wertungslauf ist der Paragliding World Cup in Gemona nun endgültig lanciert. Die Gesamtwertung beginnt sich langsam zu formen, während die Pilotinnen und Piloten bereits auf den nächsten Task blicken.