Task 6 – So nah an der Spitzengruppe wie lange nicht mehr

Heute stand ein rund 80 Kilometer langer Task auf dem Programm. Wegen der für den Nachmittag prognostizierten Gewitter entschied sich das Task-Komitee für eine etwas kürzere Strecke als an den Vortagen. Die Route führte zunächst entlang der Bergketten nach Norden, anschliessend ins Flachland und später nochmals zurück in die Berge, bevor der Endanflug gegen den Talwind ins Ziel erfolgte.

Nach dem soliden Rennen von gestern fühlte ich mich heute deutlich sicherer und wollte wieder etwas offensiver fliegen. Zum ersten Mal seit meiner Rückkehr an einen Paragliding World Cup hatte ich das Gefühl, wieder so zu fliegen wie früher. Der Start gelang perfekt, ich konnte immer wieder hoch aufdrehen und war während eines grossen Teils des Rennens in der Spitzengruppe unterwegs.

Leider zeigte sich einmal mehr, wie unglaublich hoch das Niveau an einem Weltcup inzwischen ist. Während die Spitzengruppe etwas tiefer direkt dem Hang entlang weiterflog und dort das Steigen im Geradeausflug mitnehmen konnte, entschied ich mich, in einem rund 3 m/s starken Thermikschlauch noch zwei oder drei zusätzliche Kreise zu drehen. Im ersten Moment fühlte sich das sogar richtig an.

Im Nachhinein war genau das der entscheidende Fehler. Zwar erreichte ich den Hang mit mehr Höhe, dort war der Aufwind aber bereits deutlich schwächer. Der vermeintliche Höhenvorteil brachte nichts – im Gegenteil. Als ich wieder zur Gruppe aufschliessen wollte, war diese bereits höher und der Thermikschlauch, den sie genutzt hatte, war schon wieder vorbei. Eine kleine Entscheidung mit grossen Folgen.

Trotz einer offensiven Aufholjagd liess sich die Lücke nicht mehr schliessen. Am Ende erreichte ich das Ziel mit weniger als zwei Minuten Rückstand auf den Sieger auf Rang 21. Das zeigt eindrücklich, wie eng das Feld hier zusammenliegt. Oft entscheidet bereits eine einzige kleine taktische Entscheidung über zehn oder mehr Plätze in der Rangliste.

Für das Schweizer Team gab es heute trotzdem Grund zum Feiern: Roger Aeschbacher gewann den Task mit einem nahezu perfekten Flug. Herzliche Gratulation zu dieser starken Leistung! 👏🇨🇭

Auch wenn ich heute ein noch besseres Resultat knapp verpasst habe, war es für mich einer der wertvollsten Wettkampftage dieser Woche. Das Gefühl, wieder ganz vorne mitzufliegen und mit den Besten mithalten zu können, gibt viel Selbstvertrauen für die Zukunft. Genau für solche Erfahrungen bin ich nach 18 Jahren Wettkampfpause wieder an den Start gegangen. 🪂

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