Der Wetterbericht versprach für heute etwas schwächere Thermik und eine tiefere Wolkenbasis. Deshalb entschied sich das Task-Komitee für eine 97 Kilometer lange Strecke, die grösstenteils durch die Berge führte, jedoch mehrere lange Talquerungen beinhaltete.
Die Bedingungen entwickelten sich zunächst sogar besser als erwartet. Bereits vor dem Start konnten wir bis auf über 2’400 Meter aufdrehen. Das machte uns für die bevorstehenden Talquerungen deutlich optimistischer.
Auch mein Start verlief zunächst perfekt. Ich war stets hoch und konnte frei entscheiden, in welchem Pulk ich mitfliegen wollte. Doch nur wenige Sekunden vor dem Race Start änderte sich alles: In unserem Pulk brach die Thermik plötzlich zusammen und fast alle wechselten quer zur Startrichtung zu einer anderen Gruppe.
Da ich noch genügend Höhe hatte und mein Startzeitpunkt perfekt passte, entschied ich mich, alleine auf meiner Linie loszufliegen. Anfangs schien diese Entscheidung sogar aufzugehen. Ich gehörte zu den höchsten Piloten und flog zeitweise ganz vorne mit. Doch kurz vor der ersten Wendemarke kippte das Rennen komplett. Meine Linie trug plötzlich überhaupt nicht mehr. Innerhalb weniger Minuten verlor ich massiv an Höhe und traf kurz vor der Boje eine weitere Fehlentscheidung, indem ich zum linken Pulk wechselte. Das bedeutete nicht nur einen Umweg – bis ich dort ankam, war auch die Thermik bereits verschwunden.
Wer das Live-Tracking verfolgt hat, konnte den Einbruch wahrscheinlich direkt mitverfolgen. Innerhalb kürzester Zeit war ich der tiefste und mit Abstand letzte Pilot im Feld. Das war mental sicherlich einer der schwierigsten Momente des bisherigen Wettbewerbs. Wenige Minuten zuvor noch ganz vorne – und plötzlich fliegen über 120 Piloten deutlich über einem.
Nun blieb nur noch eines: Ruhe bewahren und das Beste aus der Situation machen.
Anfangs lief auch die Thermik gegen mich, sodass der Rückstand sogar noch etwas grösser wurde. Erst als die Strecke wieder näher an den Startplatz führte und entlang der Kreten verlief, konnte ich die Linien der Spitzengruppe besser beobachten. Mit Vollgas versuchte ich Schritt für Schritt wieder aufzuschliessen.
Erstaunlicherweise gelang das sogar richtig gut. Ich kämpfte mich immer näher heran und war zeitweise nur noch wenige hundert Meter hinter der Spitzengruppe. Zweimal hatte ich sogar die Chance, wieder direkt den Anschluss zu schaffen – beide Male fehlte allerdings nur ganz wenig.
Kurz vor dem Endanflug hoffte ich nochmals auf das nötige Quäntchen Glück. Hätte der letzte Thermikschlauch etwas besser getragen, wäre ich wohl wieder vorne dabei gewesen. Doch auch dort mussten wir das Thermikzentrum mehrmals wechseln, was erneut wertvolle Zeit kostete.
Hinzu kam eine Sperrzone wegen eines Vogelschutzgebiets. Ich entschied mich für eine eher offensive Linie, weil kurz zuvor noch einige Piloten genügend Höhe tanken konnten und ich hoffte, direkt über die Sperrzone in den Endanflug gleiten zu können. Leider ging auch dieser Plan nicht auf und ich musste im letzten Moment doch noch einen Umweg um die Sperrzone fliegen.
Soweit ich beobachten konnte, hatten heute mehrere Piloten Probleme mit dieser Sperrzone. Das dürfte die Rangliste nochmals ordentlich durcheinanderbringen. Ich konnte glücklicherweise im letzten Moment ausweichen und habe den Luftraum nicht verletzt.
Auch wenn ich das Feld von ganz hinten fast wieder eingeholt habe, bleibt natürlich eine gewisse Enttäuschung. Der Fehler unmittelbar vor dem Start hat mich enorm viele Plätze gekostet. Weil ich den grössten Teil des Rennens hinter der Spitzengruppe unterwegs war, erhielt ich zudem deutlich weniger Leading Points, was sich trotz einer guten Flugzeit zusätzlich auf die Gesamtwertung auswirkt.
Trotz allem war es wieder ein wunderschöner Task, bei dem ich enorm viel gelernt habe.
Mein persönliches Fazit des Tages:
Fliege niemals alleine aus dem Startfenster los – auch wenn es in diesem Moment wie die beste Idee erscheint. 😊